Urban Air Talks #1: Human Factors in BVLOS Operations


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Welche Rolle spielt der Mensch bei sicheren Drohnenoperationen und im Drohnenschutz? Dieser Frage widmete sich am 14. Oktober die erste Ausgabe der Urban Air Talks. Mit dem neuen digitalen Format greift Windrove künftig regelmäßig Themen auf, die für die Drohnenbranche relevant sind, im Alltag aber häufig zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. 

Zum Auftakt brachten Jörg Schamuhn (Airial UAS) und Frank Wernecke (DroneMasters Academy) zwei Perspektiven auf Human Factors ein: den operativen BVLOS-Betrieb und den Drohnenschutz. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Erkenntnisse aus der bemannten Luftfahrt für die unbemannte Luftfahrt relevant sind und wie der Faktor Mensch in unterschiedlichen Einsatzbereichen berücksichtigt werden kann. 

Von der bemannten Luftfahrt lernen 

In der bemannten Luftfahrt haben sich über Jahrzehnte Standards für Training, Kommunikation, Entscheidungsfindung und den Umgang mit außergewöhnlichen Situationen etabliert. Jörg Schamuhn zeigte anhand von Drohnenoperationen mit der GHX25, wie diese Prinzipien auch bei komplexen BVLOS-Operationen angewendet werden können. 

Dazu gehören typspezifische Qualifikationen, regelmäßige Kompetenzüberprüfungen und standardisierte Verfahren für den Normalbetrieb sowie für Stör- und Notfallsituationen. Ebenso wichtig sind klar definierte Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb des Teams. 

Eine besondere Herausforderung ist die zunehmende Automatisierung. Während Systeme immer mehr Steuerungsaufgaben übernehmen, verlagert sich die Arbeit der Operator auf die Überwachung, die Bewertung von Informationen und die Entscheidungsfindung. Auch Phasen geringer Arbeitsbelastung können Risiken bergen, etwa wenn die Aufmerksamkeit während längerer automatisierter Flugabschnitte nachlässt. 

Damit rückt eine zentrale Human-Factors-Frage in den Fokus: Wie können Menschen auch dann aufmerksam und handlungsfähig bleiben, wenn sie weniger aktiv steuern, aber weiterhin für die Überwachung und das Erkennen unerwarteter Situationen verantwortlich sind? 

Der Mensch als Teil eines wirksamen Drohnenschutzes 

Frank Wernecke beleuchtete Human Factors aus der Perspektive des Drohnenschutzes. Seine zentrale Botschaft: Technische Detektionssysteme allein reichen für einen zuverlässigen Schutz nicht aus. Ob Radar, Kamera, Funkscanner oder akustische Sensorik – jedes System hat spezifische Grenzen und blinde Flecken. 

Deshalb braucht es Menschen, die mögliche Drohnenvorfälle erkennen, richtig einordnen und angemessen reagieren können. Geschultes Personal, klar geregelte Zuständigkeiten und eingeübte Meldeketten sind dabei entscheidend. Wer informiert wen bei einer Drohnensichtung? Welche Maßnahmen werden eingeleitet? Und wie lässt sich auch bei seltenen Ereignissen eine ausreichende Aufmerksamkeit sicherstellen? 

Drohnenschutz ist dabei nicht ausschließlich eine Aufgabe von Sicherheitsbehörden. Auch Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen sich mit organisatorischen und personellen Schutzmaßnahmen auseinandersetzen. 

Ein weiterer Aspekt ist die richtige Einordnung von Drohnenaktivitäten. Zwischen legitimen Drohneneinsätzen und potenziellen Bedrohungen unterscheiden zu können, hilft dabei, Fehlalarme und unnötige Betriebsunterbrechungen zu vermeiden. 

Human Factors stärker im UAS-Betrieb verankern 

Die erste Ausgabe der Urban Air Talks verdeutlichte, dass Human Factors weit über die Qualifikation einzelner Drohnenpilotinnen und -piloten hinausgehen. Sie betreffen das Zusammenspiel von Mensch, Technik, Organisation und Verfahren – sowohl im Flugbetrieb als auch beim Drohnenschutz. 

Die jahrzehntelange Erfahrung der bemannten Luftfahrt bietet wertvolle Ansätze, um Training, Sicherheitskultur und betriebliche Abläufe in der unbemannten Luftfahrt weiterzuentwickeln. Entscheidend ist, diese Prinzipien an die besonderen Anforderungen der Drohnenbranche anzupassen und in der Praxis umzusetzen. 

Die zentrale Erkenntnis: In der unbemannten Luftfahrt muss der Faktor Mensch von Anfang an mitgedacht werden – bei der Gestaltung von Abläufen, beim Training und im Zusammenspiel mit technischen Systemen. Denn sichere Operationen hängen nicht nur von der Technik ab, sondern auch davon, wie Menschen Informationen wahrnehmen, Situationen beurteilen und mit anderen Beteiligten zusammenarbeiten.