Zwei Tage Realität, Austausch und konkrete nächste Schritte für den urbanen Luftraum
Mit der Urban Air Hamburg 2026 hat das Drohnennetzwerk Windrove gemeinsam mit Partnern einen Raum geschaffen, in dem nicht Visionen dominierten, sondern Erfahrungen, Herausforderungen und echte Lösungen. Am 10. und 11. Februar 2026 kamen im Opernloft Hamburg Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Sicherheitsbehörden, Industrie, Forschung und Anwendung zusammen, um über die Zukunft des urbanen Luftraums zu sprechen.
Das klare Fazit nach zwei intensiven Tagen:
Die Technologie ist da. Entscheidend sind jetzt Regulierung, Akzeptanz, Zusammenarbeit und der Wille, Dinge gemeinsam umzusetzen.
Tag 1: „Zukunft Luftraum: Sicherheit & Resilienz"
Der erste Konferenztag stand im Zeichen eines sicheren, koordinierten unteren Luftraums. Mit zunehmenden BVLOS-Operationen, neuen Anwendungen und immer mehr Akteuren wächst die Komplexität und damit auch der Bedarf an klaren Strukturen.
Regulierung und U-Space als Enabler
In seiner Einordnung machte Eric Oehlmann, Referatsleiter LF19 des Bundesministerium für Verkehr deutlich, dass der regulatorische Rahmen nicht bremsen, sondern ermöglichen soll. Das geplante U-Space-Gesetz, das 2026 kommen soll, wurde als wichtige Initialzündung für den Markt beschrieben.
„Alle Chancen sind da. Jetzt müssen wir sie nutzen und ins Tun kommen. Als Ministerium wollen wir unseren Beitrag mit möglichst flexibler Regulierung leisten“, so Oehlmann.
U-Space wurde dabei nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Inkubator für sichere, skalierbare Drohnenanwendungen und als Grundlage für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft.
BOS-Einsätze und Sichtbarkeit im unteren Luftraum
Im Panel zu Sicherheit und Rettung wurde deutlich, wie stark sich der untere Luftraum verändert. Alexander Mois, Leiter der Kompetenzstelle Unbemannte Luftfahrtsysteme der Polizei Bayern, brachte es auf den Punkt: BOS sind längst nicht mehr allein in der Luft. Industrie, Forschung und Dienstleister drängen mit eigenen Anwendungen nach. „Viele Teilnehmer sehen sich heute schlicht nicht. Genau hier liegt ein Risiko“, so Mois.
Die Panelisten waren sich einig, dass es bundesweit gedachte UTM-Strukturen, gemeinsame Lagebilder und klare Schnittstellen zwischen Behörden braucht, um Sicherheit auch bei wachsender Nutzung zu gewährleisten.
Matthias Brand ergänzte, dass aus jedem Einsatz gelernt werde, diese Erfahrungen aber stärker geteilt werden müssten. Blaupausen und länderübergreifende Standards seien entscheidend, um nicht immer wieder bei null zu beginnen.
Drohnenabwehr: ganzheitlich denken
Ein weiteres zentrales Thema war die Drohnenabwehr im urbanen Raum. Der Tenor aller Beiträge: Drohnen sind weder per se gut noch schlecht. Entscheidend ist, sie frühzeitig zu erkennen, richtig einzuordnen und angemessen zu reagieren.
Sven Steingräber, Co-Founder von Argus Interception, betonte, dass Drohnenabwehr nicht bei der Detektion endet:
„Man muss wissen, was sich in der Luft befindet. Erst dann kann man verifizieren, klassifizieren und im Ernstfall reagieren.“
Auch hier wurde klar, dass technische Lösungen nur im Zusammenspiel mit klaren Zuständigkeiten, Alarmketten und behördenübergreifender Zusammenarbeit funktionieren. Künstliche Intelligenz kann unterstützen, ersetzt aber keine abgestimmten Prozesse.
Tag 2: „Wir heben ab – Von der Vision zum Markt“
Der zweite Konferenztag rückte die Anwenderperspektive und konkrete Umsetzungen in den Mittelpunkt.
User-Panel: Akzeptanz entscheidet
Im User-Panel wurde deutlich, dass Akzeptanz je nach Anwendungsfeld sehr unterschiedlich ausfällt. Medizinische Drohnentransporte stoßen auf hohe Zustimmung, weil ihr Nutzen unmittelbar sichtbar ist. In anderen Bereichen, etwa bei Reinigungs- oder Logistikanwendungen im urbanen Raum, braucht es mehr Erklärung, Transparenz und das aktive Mitnehmen von Behörden und Öffentlichkeit.
Ein wiederkehrender Punkt: Für Anwender zählt nicht das Fluggerät allein. Entscheidend ist ein verlässliches Gesamtkonzept aus Technik, Betrieb, Service und Ausfallstrategien.
Logistik und Offshore: Kontext ist alles
Im Logistik-Panel wurde bewusst mit Erwartungen gebrochen. Drohnen sind keine Allzwecklösung für die letzte Meile in der Stadt. Ihr Mehrwert zeigt sich vor allem dort, wo Orte schwer zugänglich sind oder Zeit ein kritischer Faktor ist.
Alexander Baalmann schilderte eindrücklich, wie Drohnen in Offshore-Windparks eingesetzt werden. Ersatzteile, die früher per Schiff oder Helikopter transportiert wurden, lassen sich heute schneller und effizienter per Drohne liefern. „Nach kurzer Zeit war die Drohne ein vollwertiger Mitarbeiter“, so Baalmann.
Gleichzeitig wurde klar: One size fits all funktioniert nicht. Regulierung, Umfeld und Use Case müssen zusammengedacht werden. Frühe Abstimmung mit lokalen Behörden und das Teilen von Erfahrungswerten sind entscheidend.
Reallabore: neues Format mit großem Bedarf
Erstmals Teil der Urban Air war eine eigene Session zu Reallaboren mit Dr. Anna Vogel von der BWAI und Freia Muster vom Reallabore-Innovationsportal. Das große Interesse und die vielen Fragen zeigten, wie hoch der Bedarf an Orientierung rund um regulatorische Spielräume ist.
Deutlich wurde auch, dass bestehende Strukturen oft noch zu langsam oder zu komplex sind, um Innovation effizient zu ermöglichen.
Für Windrove steht fest: Dieses Format war kein einmaliges Experiment. Reallabore werden auch künftig eine wichtige Rolle spielen, um Innovation kontrolliert zu erproben und in die Umsetzung zu bringen. Ergänzende Informationen bietet das Reallabore-Innovationsportal des Bundes.
Wasserstoff und Transformation
Auch der Blick über den Drohnenkontext hinaus war Teil der Urban Air. In der Session zu Wasserstoff wurde deutlich, dass Transformation Zeit, Geduld und enge Abstimmung zwischen Stadt, Bund, EU und Industrie braucht. Hamburg wurde dabei als zentraler Standort für Infrastruktur und Reallabore eingeordnet.
Fazit: Menschen machen den Unterschied
Über beide Tage hinweg zog sich ein roter Faden durch alle Panels und Gespräche:
Technik allein reicht nicht. Es braucht Vernetzung, Kooperation und den Mut, Wissen zu teilen.
Oder wie Jörg Schamuhn in seinem Impuls es formulierte: „In einer Community ist Geben und Nehmen Alltag. Genau das bringt uns voran.“
Die Urban Air Hamburg 2026 hat gezeigt, wie wichtig Formate sind, die genau diesen Austausch ermöglichen. Wir bedanken uns bei allen Speaker*innen, Teilnehmenden, Partnern und Unterstützern für zwei Tage voller Offenheit, Expertise und echter Diskussionen.
Wir freuen uns darauf, diesen Dialog fortzusetzen.
