Hamburg ist eine Stadt, in der Luftfahrt und maritime Wirtschaft traditionell eng miteinander verbunden sind. Mit dem Hafen als internationalem Handelsdrehscheiben und dem Flughafen als einer der wichtigsten Luftverkehrsschnittstellen Nordeuropas prägt diese Doppelrolle seit Jahrzehnten die wirtschaftliche Stärke der Region. Eine aktuelle Studie des DLR-Instituts für Luftverkehr weist nun darauf hin, dass genau diese Kombination ein entscheidender Schlüssel für eine klimaverträgliche Zukunft der Mobilität sein kann.
Die Untersuchung mit dem Titel “Emission Reduction Potential of Hydrogen-Powered Aviation Between Airports in Proximity of Seaports” zeigt: Wenn Flughäfen und Seehäfen beim Thema Wasserstoff enger zusammenspielen, können sie zu Vorreitern für eine nachhaltige Luftfahrt in Europa werden.
Gemeinsame Infrastruktur als Vorteil
Das Konzept ist ebenso naheliegend wie wirkungsvoll: Grüner Wasserstoff, der in großen Mengen vor allem über Seehäfen importiert werden wird, kann bei kurzen Entfernungen effizient auch für die Versorgung von Flughäfen genutzt werden. Das DLR hat dafür europäische Flughäfen und Seehäfen mit einer maximalen Distanz von 20 Kilometern untersucht. Je kürzer die Transportwege, desto einfacher lassen sich Import, Lagerung und Verteilung bündeln – mit weniger Aufwand und höherer Sicherheit. Zwar ist eine Versorgung auch über größere Distanzen technisch möglich, doch der unmittelbare Nachbarschaftsvorteil kann entscheidend sein, um schnell und wirtschaftlich in den Markthochlauf von Wasserstoff-Flugzeugen einzusteigen.
Prognosen für 2050
Die Ergebnisse der Modellierungen beeindrucken:
- Bis zu 625 innereuropäische Flugrouten könnten bis 2050 mit Wasserstoff-Flugzeugen bedient werden.
- 135 Millionen Passagiere jährlich würden so klimaverträglicher reisen.
- Rund 11,7 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen könnten pro Jahr eingespart werden – das entspricht etwa 10 Prozent der erwarteten Emissionen des europäischen Luftverkehrs.
Damit liefert die Studie eine klare Botschaft: Wasserstoff hat das Potenzial, nicht nur punktuell, sondern systematisch die Klimabilanz der Luftfahrt zu verbessern.
Hamburg als Modellregion
Für Hamburg ist das Forschungsergebnis von besonderem Interesse. Der Hafen gilt als eines der zentralen Tore für den Import von grünem Wasserstoff nach Deutschland und Europa. Parallel dazu ist der Hamburg Airport mit mehr als 11 Millionen Passagieren jährlich ein wichtiger Hub für Norddeutschland und darüber hinaus. Die räumliche Nähe von Hafen und Flughafen – verbunden mit der starken Kompetenz der regionalen Luftfahrt- und Energiecluster – eröffnet die Chance, hier eine Modellregion für wasserstoffgestützte Luftfahrt zu entwickeln.
Auch international wird Hamburg in der DLR-Studie neben Metropolen wie Amsterdam oder Barcelona als besonders geeigneter Standort hervorgehoben. Für die Hansestadt ergibt sich daraus eine klare Perspektive: Wer Hafen- und Flughafeninfrastruktur zusammendenkt, kann die Weichen für eine nachhaltige Mobilität von morgen stellen – und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärken.
Wissenschaft als Impulsgeber
Die Studie wurde von Dr. Nico Flüthmann, Tim Schunkert, Dr. Marc C. Gelhausen und Alexandra Leipold verfasst und in der Fachzeitschrift Aerospace veröffentlicht. Sie liefert nicht nur wissenschaftliche Grundlagen, sondern vor allem auch konkrete Argumente für Politik, Wirtschaft und Clusterinitiativen, die jetzt die Rahmenbedingungen für eine klimaverträgliche Luftfahrt schaffen müssen.
Hamburg Aviation begrüßt diese Impulse ausdrücklich: Sie zeigen, dass die Region mit ihrer doppelten Kompetenz in Luftfahrt und maritimer Wirtschaft beste Voraussetzungen hat, um eine Vorreiterrolle beim Thema Wasserstoff einzunehmen – und so den Wandel zu einer nachhaltigeren Mobilität aktiv mitzugestalten.
Die Studie können Sie hier lesen.
