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Kanada-Kooperation

Die Luftfahrtstandorte Hamburg und Montréal haben eine offizielle Kooperation gestartet.

Die zu den weltgrößten Standorten der Luftfahrtindustrie zählenden Regionen Hamburg und Montréal haben eine offizielle Kooperation bei Forschung und Entwicklung gestartet.

Partner von beiden Seiten des Atlantiks werden in den nächsten Jahren gemeinsam forschen, insgesamt sind mehr als 20 Partner beteiligt - neben Unternehmen verschiedener Größen auch Hochschulen und Forschungseinrichtungen beider Länder. Mit dem Vorhaben sollen Kompetenzen auf beiden Kontinenten zusammengeführt und in innovative neue Produkte gebracht werden.

Als Ergebnis der Internationaliserungsstrategie von Hamburg Aviation laufen derzeit zwei Kooperationsprojekte zwischen Partnern aus Hamburg und Québec.

COMP-1633:

Neue feuerfeste Verbundteile für die Kabine

Im Projekt COMP-1633 beschäftigt sich Comprisetec seit Oktober 2017 mit der Entwicklung neuer brandgeschützter Materialien und zugehöriger Prozesse für die kosteneffiziente Herstellung von Faserverbundbauteilen für die Flugzeugkabine.

Ziel ist die Anpassung und Weiterentwicklung effizienter Fertigungstechnologien und Werkstoffe für den Interior-Markt. Comprisetec konzentriert sich dabei auf die Prozesse Sandwich-SMC ("sheet moulding compound", also Pressmassen aus Reaktionsharzen und Glasfasern), automatisierte Verfahren zur kontinuierlichen Herstellung endlosfaserverstärkter Profile (Pultrusion) und die Entwicklung eines neuartigen Imprägnierverfahrens zur Herstellung maßgeschneiderter Prepeg-Systeme, also imprägnierter Fasern. Strenge Flammschutzanforderungen ("FST - Fire, Smoke & Toxicity") werden dabei an sämtliche Produktlösungen gestellt.

Im Juni 2018 fand hierzu das zweite Konsortialtreffen in Hamburg statt. Sämtliche Projektpartner, insgesamt 9 Unternehmen und Forschungseinrichtungen sowie der Projektträger nahmen teil: Comprisetec GmbH, Exakt Advanced Technologies GmbH, Helmut-Schmidt-Universität, Technische Universität Hamburg, Kruger Biomaterials Inc., Pultrusion Technique Inc., Polytechnique Montréal und die École de Technologie Supérieure ETS (Montréal).

Bei Besuchen der Hamburger Projektpartner sowie des Airbus-Werks in Stade wurden neben gemeinsamen Arbeitspaketen neue Ideen für eine intensive Kooperation der Partner im Projekt und darüber hinaus besprochen. Die Realisierung und gemeinsame Evaluation von Demonstratorbauteilen sowie intensiver wissenschaftlicher Austausch stehen dabei im Vordergrund. Bei einem zusätzlichen Workshop bei Exakt Advanced Technologies konnten die Partner von Comprisetec, Kruger, ETS und Pultrusion Technique Imprängierversuche durchführen.

NAIMMTA:

Leisere Flugzeugkabinen für das Reisen von Morgen

Das internationale Forschungsprojekt "New Acoustic Insulation Metamaterial Technology for Aerospace" NAIMMTA traf sich im Juni im ZAL TechCenter in Hamburg zum bereits zweiten Workshop. Hintergrund der Forschungskooperation: Schalldruckpegel in der Flugzeugkabine erreichen heute etwa 80 dB(A). Eine Möglichkeit, die Kabinengeräusche zu reduzieren, sind konventionelle thermo-akustische Isolierungen. Diese gehen jedoch im niedrigen Frequenzbereich mit deutlichen Gewichtsnachteilen einher. Nicht konventionelle Materialien, wie akustische Meta-Materialien, bieten zwar eine bessere akustische Isolierung bei geringerem Gewicht; müssen jedoch zunächst zu einer höheren Technologiereife geführt werden.

Unter Leitung der ZAL GmbH erarbeiteten Vertreter von 3M, AIRBUS, Hutchinson Aerospace, University Sherbrooke, École de Technologie Supérieure, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, National Research Council Canada und Mecanum Inc. mögliche neue Konzepte für die thermal-akustische Isolierung von Morgen. Erarbeitet wurden dabei drei zukunftsweisende Konzepte, die in den nächsten beiden Jahren verfeinert und erste Schritte zur Industrialisierung nehmen werden.

Übrigens:

Bei Fragen zur Technologie und zum Projekt freut sich das Akustik-Team der ZAL GmbH auf Ihre Nachricht: acousticszal.aero.

Hintergrund der gemeinsamen Forschung

Die Luftfahrt-Forschungskooperation aus Hamburg und Montréal ist ein Element der Neuen Hightech-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Bis 2021 fließen insgesamt 12 Millionen Euro in das Programm ein - dabei beteiligen sich beide Länder zu je 50 Prozent. Die Summe teilt sich zudem je zur Hälfte in Mittel aus Politik und Wirtschaft auf. Als Koordinationsstellen dienen das Hamburger ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung auf deutscher Seite, sowie das kanadische Forschungskonsortium CRIAQ (Consortium de recherche et d'innovation en aérospatiale au Québec).

Beim Aufbau der Partnerschaft waren auch die Cluster-Netzwerke beider Standorte, Hamburg Aviation sowie Aéro Montréal, maßgeblich involviert.