Wie Spitzner Engineers Geschäftsführer Jörg Spitzner in der Hochphase der Corona-Pandemie aus der Not eine Tugend machte und das icnmp (Institute for Climate Neutral Mobility and Production) gründete.

Das Erneuerbare Energien-Cluster Hamburg (EEHH) führte das Interview mit dem gemeinsamen Mitglied Jörg Spitzner, der im Frühjahr 2020 das Institute for Climate Neutral Mobility and Production gegründet hat.

EEHH: Lieber Herr Spitzner: wie kamen Sie auf die Idee, dieses neue Forschungsinstitut icnmp: Institute for Climate Neutral Mobility and Production zu gründen? Was bedeutet das für Ihre bisherigen Unternehmen?

Jörg Spitzner: „Um ganz ehrlich zu sein: Not macht erfinderisch. Dieses Frühjahr sind uns aufgrund der Corona-Krise sämtliche Aufträge aus der Luftfahrtbranche weggebrochen. Wir waren schlichtweg gezwungen, uns ein neues Geschäftsfeld zu überlegen. Forschungsnah haben wir schon lange gearbeitet. Bereits 2013 haben wir beispielsweise mit Spitzner Engineers den German Renewables Award für die Entwicklung eines aerodynamisch hocheffizienten Rotorblattses gewonnen. Daher lag der Schritt jetzt nah, aus der Not eine Tugend zu machen und sich jetzt endgültig der praxisnahen Forschung zu verschreiben – mit einem starken Fokus auf Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien.

Wir gründeten eine private nicht-wirtschaftliche Forschungseinrichtung, die Beihilfen berechtigt ist. Unsere Gewinne re-investieren wir für Forschungszwecke. Spitzner Engineers existiert als GmbH im Hintergrund weiterhin. Das icnmp ist eine Einrichtung der Spitzner Engineers GmbH.“

EEHH: Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem neuen Institut icnmp?

 

Jörg Spitzner: „Ganz klar Dekarbonisierung! D.h., CO2-Emissionen sollen verringert, vermieden und umgewandelt werden – auf Englisch: reduce, avoid and capture. Vermeidung halten wir für wichtiger als Reduktion. Durch unser Projekt ‚BLANCAIR‘, in dem mittels leicht modifizierter Rotorblätter Luft durch einen CO2 Abscheider gezogen wird, haben wir bereits sehr viel Spezialwissen gewonnen. Für besonders sinnvoll halten wir DAC-Anlagen: ‚Direct Air Capture‘.

Die EU strebt bis 2050 eine Netto-Null an, d.h. die Emissionen sollen EU-weit so weit wie möglich reduziert werden. In einigen Industrien können Emissionen aber nicht komplett vermieden werden. Eine gewisse Residuallast verbleibt hier. Diese müssen wir mit DAC kompensieren.“

EEHH: Welche Projekte möchten Sie als erste angehen?

Jörg Spitzner: „Wir konzentrieren uns aktuell auf zwei Projekte: eine DAC-Maschine, eine Art umgekehrter Verbrennungsmotor, und eine Klima-Anlage, die Viren aus der Luft saugt. Letztere saugt die Raumluft ein und vernichtet alle Viren indem sie bei etwa 100 Grad Celcius im Filter thermisch behandelt werden. Wir arbeiten daran gemeinsam mit Kollegen der Ruhr-Universität in Bochum, des Universitätsklinikums Eppendorf und des Hygiene-Instituts Dr. Brill. Dieses Thema ist für uns tatsächlich komplett neu, aber gerade jetzt besonders relevant.

Unsere Einnahmen sichern wir durch die Förderprojekte und Lizenzeinnahmen. Unsere Grundfinanzierung soll die Freie und Hansestadt Hamburg bzw. die Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung Bezirke gewährleisten.“

EEHH: Wie können sich andere EEHH-Mitglieder bei Ihnen einbringen?

Jörg Spitzner: „Wir möchten noch stärker als bisher mit anderen EEHH-Mitgliedern kooperieren und gemeinsam mit ihnen Forschungsprojekte realisieren. Erste Gespräche haben wir bereits geführt. Außerdem möchten wir europäische Unternehmen und Wissenschaft im Bereich der Direct Air Capture stärker miteinander vernetzen. Hier ergeben sich unserer Meinung nach sehr gute Synergien mit einer neuen Wasserstoffwirtschaft in der Metropolregion Hamburg.“

Vielen Dank für das spannende Interview und viel Erfolg bei Ihren Projekten!