Im ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung werden derzeit sogar Labore remote bedient, berichtet Geschäftsführer Roland Gerhards.

  • Hamburg Aviation: Welche Änderungen haben Sie in Ihrem Unternehmen eingeführt?

    "Wir haben den Gebäudebetrieb im ZAL TechCenter den behördlichen Bestimmungen angepasst. Das heißt, es gelten besondere Sicherheits- und Hygienemaßnahmen unter denen der Betrieb hier im Forschungszentrum weiterlaufen kann. Sogar unser Restaurant hat noch geöffnet: mit Abstandregeln für die Warteschlange und weit auseinander stehenden Einzeltischen. Größere Einschränkungen gelten eigentlich nur für externe Besucher, denen wir aufgrund des Ansteckungsrisikos vorübergehend keinen Zutritt gewähren können. Was unsere Partner im Haus angeht, so entscheidet jedes Unternehmen selbst, wie es mit der Situation umgeht. Manche haben ihre Arbeit gänzlich ins Homeoffice verlegt, andere arbeiten in wechselnden Teams.  

    Bei uns in der ZAL GmbH arbeiten aktuell durchschnittlich 2/3 der MitarbeiterInnen mobil von zu Hause, 1/3 der KollegInnen abwechselnd oder wie ich jeden Tag hier im ZAL TechCenter. Alle sind mit Notebooks versorgt und können problemlos über VPN-Client arbeiten. Der Berufsalltag verläuft damit für einige vielleicht ungewohnt, aber durchaus effektiv. Alle sind hochmotiviert, ihren Teil beizutragen, dass die ZAL GmbH weiterhin gut funktioniert. Das gilt insbesondere für unsere Forschungsprojekte."

     
  • Wie war die Resonanz bei Kunden/Mitarbeitern bis jetzt?

    "Verständlicherweise herrscht jetzt in der Luftfahrtbranche eine große Verunsicherung vor. Umso dankbarer sind viele Mieter, dass wir den Betrieb des ZAL TechCenters aufrechterhalten. Dafür haben wir viel positives Feedback bekommen. Auch dafür, dass man sich im TechCenter sicher fühlen könne. Sogar die Arbeitssicherheit hat unsere Vorkehrungen im ZAL sehr gelobt."
  • Vervollständigen Sie den Satz „Corona ist für uns eine Chance, weil…“

    "…die Situation neues Handeln und Denken erfordert. In der ZAL GmbH hätte niemand von uns gedacht, dass sich aus der Ferne so gut zusammenarbeiten lässt. Die digitalen Entwicklungen erweisen sich dabei als absolut hilfreich: Unser AI Aviation Lab lässt sich zum Beispiel remote bedienen. Die KollegInnen greifen von zu Hause aus auf Sensoren und Recheneinheiten zu, führen so Tests durch und kommen nur sporadisch für Umbauten rein. 

    Und dann erfinden wir gerade unsere interne Kommunikation neu. Die Situation erfordert einen engen Austausch, den wir als täglichen Regeltermin zwischen einzelnen TeamvertreterInnen verwirklichen. Früher fand der Austausch oft bilateral oder als Flurfunk statt. Durch die neue Kommunikationsform haben wir ein tägliches Update aus den Teams. Das ist wiederum die Voraussetzung, um den Informationsfluss zu steuern. Aber auch um den informellen Austauschkümmern wir uns, etwa durch digitale Kaffeepausen, Umfragen oder interne Challenges.

    Ob wir das alles später in den Berufsalltag integrieren, bleibt abzuwarten. Viele der neuen Lösungen haben sich allerdings jetzt schon bewährt."

  • Ihr Tipp für die Hamburg Aviation Community?

    "Das ist auch mein Tipp für die Community. Lasst Euch auf die neue Situation ein, vollzieht ggf. einen Perspektivwechsel. Daraus können neue Ideen und Lösungen entstehen.  

    Viele tun das bereits, indem sie ihre Produktion umstellen. Aber das ist nicht alles. Wir erleben hier gerade, dass neue Themen entstehen und andere zumindest vorübergehend irrelevanter werden. Man muss nicht hellsehen können, um Health Tech als neuen übergreifenden Trend zu verstehen, der in der Luftfahrt eine große Rolle spielen wird."