Metropolregion Hamburg

Hamburg wird Sitzland des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR)

20.06.2017Unternehmen und Verbände

Senat beschließt Finanzierung // 3-D Druck und Industrie 4.0 im Flugzeugbau werden Schwerpunkte der Forschungsinstitute, die sich ZAL niederlassen.

Die Freie und Hansestadt Hamburg (FHH) ist der drittgrößte Standort der zivilen Luftfahrtindustrie weltweit. Die Zukunftsfähigkeit der Luftfahrtindustrie am Standort Hamburg hängt von der Geschwindigkeit und der Exzellenz der Entwicklung innovativer Industrieprodukte und -prozesse ab, da es sich hierbei um die zentralen Erfolgskriterien im internationalen Standort­wettbewerb handelt.

Gemeinsame Forschungsplattform der Clusterakteure ist das TechCenter des Zentrums für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL), das von der Industrie - neben Airbus und Lufthansa Technik insbesondere auch kleine und mittlere Unternehmen -, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), den Hochschulen und der Stadt getragen wird. Senator Frank Horch: "Hamburg möchte seine führende Position als Entwicklungs-, Integrations- und Endlinienstand­ort für die Flugzeugindustrie auszubauen. Das erfordert zwingend den weiteren Ausbau der am Standort vorhandenen Forschungskompetenz und Innovationskraft. Der Senat hat sich aus diesem Grund besonders dafür eingesetzt, dass Hamburg DLR-Sitzland wird und mit zwei Themenbereichen im ZAL TechCenter eine zukunfts­weisende Forschungsinfrastruktur etablieren wird. Schwerpunkte werden dabei die virtuelle Gesamtentwicklung und der 3D-Druck im Flugzeugbau sein. Heute hat der Senat die notwendige Finanzierung dafür beschlossen."

Bisher ist das DLR in Hamburg nur mit zwei kleineren Einrichtungen vertreten: der Abteilung für "Human Factors in Aviation", einer Abteilung des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln, und dem Stiftungslehrstuhl "Institut für Lufttransportsysteme" an der Technischen Universität Hamburg (TUHH). Das DLR ist mit 10% als Gesellschafterin am ZAL beteiligt. Die Institute sollen in 2017 ihre Arbeit in den ZAL-Räumlichkeiten aufnehmen. Der Hamburger Senat hat sich besonders dafür eingesetzt, dass die Grundfinanzierung des Bundes für das DLR aufgestockt wird und das DLR seine Aktivitäten in Hamburg ausbaut. Der Haushaltsauschuss des Deutschen Bundestages hat auf seiner Sitzung am 10. November 2016 beschlossen, die Grundfinanzierung des DLR um 42,0 Mio. EUR jährlich aufzustocken, davon 9,0 Mio. EUR für die Hamburger Themenbereiche. Hierdurch ist eine Ansiedlung des DLR  im ZAL ab 2017 möglich und Hamburg wird damit Sitzland des DLR.

Bereichsübergreifend sollen in Hamburg die Themen Industrie 4.0 und 3D-Druck bearbeitet werden. 3D-Druck als Querschnittstechnologie für die werkzeuglose Fertigung wird nicht nur die Bauteilkonstruktion und -herstellung tiefgreifend verändern, sondern auch die damit verbundene Prozess- und Wertschöpfungskette. Das DLR wird hier insbesondere seine speziellen Kompetenzen in Sachen Design und Zulassung einbringen können. Alle Akteure (DLR, FHH, TUHH, Industrie) sind sich daher einig, das DLR räumlich im TechCenter des ZAL anzusiedeln, um einen engen Austausch mit den Luftfahrtakteuren zu ermöglichen. Hierfür sind in dem Gebäude bereits 1.137 m2 reserviert. Die Institute sollen in 2017 ihre Arbeit in den ZAL-Räumlichkeiten aufnehmen. Hamburg stellt für die Forschungsinfrastruktur - wie eine mobile Roboter-Plattform oder Virtual Reality-Technologie- 2 Millionen Euro zur Verfügung und ab 2018 jährlich 1,6 Millionen Euro Sitzlandbeitrag.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries sagte hierzu: "Mit den neuen Instituten wird das DLR zu Lösungen bei der Digitalisierung von Industrieprozessen, der Energieversorgung und einer intelligenten Mobilität beitragen und wirtschaftlich hochrelevante Technologien weiterentwickeln. Wir freuen uns, dass das DLR den Aufbau der neuen Institute nun zügig angeht und damit die Politik der Bundesregierung auf diesen Zukunftsfeldern unterstützt."

Die neuen Institute im Überblick:

Institut für Systemarchitekturen in der Luftfahrt

Das System Luftfahrt besteht aus vielen Bereichen, die perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen. Zu dem komplexen System gehören zum Beispiel das Lufttransportsystem als Ganzes, das einzelne Flugzeug und die Produktion seiner Einzelteile. Das Institut für Systemarchitekturen in der Luftfahrt erforscht die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Systemebenen. Ziel ist unter anderem, die sichere und effiziente Integration von Technologien aus der Automatisierung, digitaler Produktionsprozesse sowie neuer Energiesysteme im Flugzeug. Schwerpunkte der Forschung sind die Kopplung des virtuellen Produktentwurfs mit der digitalen Produktion (Industrie 4.0) sowie neue Lösungen für Flugzeugrumpf und Kabine.

Institut für Instandhaltung und Modifikation


Während seiner Betriebszeit muss ein Flugzeug zahlreiche Wartungsprozesse durchleben. Diese sind wichtig für die Betriebssicherheit, sorgen aber auch dafür, dass die Maschinen in regelmäßigen Abständen aufgrund der aufwendigen Prozeduren für den Flugbetrieb nicht bereitstehen. Das Institut für Instandhaltung und Modifikation in Hamburg wird in seiner Forschung erstmals den ganzen Wartungsprozess von der Untersuchung und dem Monitoring einer Struktur, über die Ableitung der Maßnahme bis hin zu deren Durchführung abdecken. Dabei werden besonders innovative Technologien wie Augmented Reality und 3D-Druck-Verfahren untersucht. Die Forscher erstellen für jedes Flugzeug ein digitales Modell, das genau wie das reale Flugzeug altert und dieselben Wartungsmaßnahmen und Änderungen erfährt. Dieser "digitale Zwilling" unterstützt permanent den effizienten und vorrausschauenden Betrieb eines Luftfahrfahrzeugs. In einem Applikationszentrum erforschen die Wissenschaftler zudem den Einsatz neuer Technologien zur Datenintegration und -visualisierung sowie zur Verknüpfung einzelner Prozessschritte wie Monitoring und Reparaturmaßnahmen.

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