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Vielfalt in der Luftfahrt: Rückblick auf die 29. IAWA-Jahrestagung in Berlin

Copyright: Elke A. Jung-Wolff

30.11.2017Neuigkeiten von Hamburg Aviation

Vom 8. bis 10. November 2017 hielt die "International Aviation Womens Association" (IAWA) ihre 29. Konferenz in Berlin ab. Die Geschäftsstelle von Hamburg Aviation war dabei.

Die IAWA wurde 1988 gegründet, um berufstätige Frauen aus der Luftfahrtbranche zu vernetzen. Schnell fiel auf, dass bei Branchenthemen aus weitgehend männlichen Unternehmen die Perspektive weiblicher Fachleute als nützlich erwies. Heute ist die IAWA ein globales Netzwerk von führenden Frauen der Luftfahrtindustrie, das regelmäßig auf internationalen Messen und jährlichen Konferenzen zusammentrifft. Die IAWA engagiert sich darüber hinaus für die nächste Generation von weiblichen Führungskräften, indem sie unter anderem Patenschaften und Mentoring-Programme anbietet.

Die Jahreskonferenz in Berlin bot Keynote-Vorträge sowie Podiumsdiskussionen verschiedener weiblicher Führungskräfte in der Luftfahrt, wie Juliane Thiele, Commercial Executive Rolls-Royce Deutschland und Jana Rosenmann, Leiterin Unmanned Aerial Systems Airbus. Dabei diskutierten sie Themen wie den Brexit-Effekt im internationalen Luftverkehr, die Vorbereitung auf die Zukunft in MRO und - natürlich - Vielfalt in der Branche.

Hamburg Aviation nahm erstmals teil

Der Vorstand der IAWA, der sich momentan noch zum Großteil aus amerikanischen Führungskräften zusammensetzt, ist motiviert, den Verband für Frauen aus der europäischen Luftfahrtindustrie zu öffnen. Entsprechend freute sich Hamburg Aviation, stellvertretend für den Arbeitskreis "Hamburg Aviation WoMen", an der diesjährigen Konferenz im Hilton Hotel teilzunehmen. Und nicht nur die Geschäftsstelle war vor Ort: Die IAWA sponserte ein Konferenzticket für ein Hamburg Aviation Mitglied. Sanne Lehmann, Geschäftsführerin von Lehmann Cabin Interior Consulting, wurde unter den Bewerberinnen ausgewählt und bekam auf der Konferenz die Möglichkeit, ihr internationales Netzwerk auszubauen. "Ein absolut einzigartiges Erlebnis für mich", betonte die Beraterin für betriebliche Prüfung des Kabineninnenraums. "In der Luftfahrtbranche hat man selten die Chance, so viele hochqualifizierte weibliche Kollegen an einem Ort zu treffen. Der Austausch ist produktiv und herzlich gleichermaßen. Die Kontakte, die ich bereits gemacht habe, sind für mich mehr als wertvoll." Sybille Rexer, Rechtsanwältin bei der Hamburger Kanzlei und Hamburg Aviation Mitglied Dabelstein & Passehl ist bereits aktives Mitglied der IAWA und stellte im Namen ihrer Sozietät die Unterkunft für die Gewinnerin.

Auf der Konferenz hatte Julia Grosser von der Geschäftsstelle Hamburg Aviation die Gelegenheit, mit Katherine Bennett, OBE, Airbus-Vizepräsidentin und Mitglied des IAWA-Vorstands, ein Interview zu führen.

Katherine, was ist das Ziel der IAWA?

Das ultimative Ziel besteht darin, mehr Frauen dazu zu ermutigen, in die Branche einzusteigen, potenzielle Vorbilder zu präsentieren, die nächste weibliche Generation in der Luftfahrt zu unterstützen und sie zu ermutigen, Führungsrollen zu übernehmen.

Sie sind jetzt seit über einem Jahrzehnt bei Airbus. Haben sich die Herausforderungen für Frauen in der Branche verändert?

Wir sprechen viel mehr über alle Arten von Vielfalt - nicht nur über eine Gleichberechtigung von Frau und Mann. Die Situation ist schon viel besser geworden aber natürlich gibt es noch viel mehr zu tun.

Was glauben Sie, ist das größte Problem für Frauen in der Branche?

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Frauen müssen sich immer noch häufiger mit Familienangelegenheiten befassen, obwohl Männer auf die gleiche Weise involviert sein sollten. Und wir müssen mehr weibliche Ingenieure für Unternehmen wie Airbus gewinnen. Ich ermutige Frauen,  Ingenieurwissenschaften zu studieren und den Schritt in die Branche zu wagen. Frauen müssen begreifen, wie faszinierend die Möglichkeiten in der Luftfahrt sein können und was sie zu einem Unternehmen wie Airbus beitragen können.

Wie bewerten Sie das IAWA-Mentoring-Programm?

Ich habe bei Airbus Mentoring in beide Richtungen erlebt - ich wurde betreut und habe wiederum andere beraten. Erst vor kurzem habe ich begonnen, Kolleginnen von anderen Firmen, Fokker und Rolls-Royce, zu betreuen. Und ich habe von ihnen gelernt, genauso wie ich versucht habe, ihnen zu helfen. Nicht zu nehmen, aber auch zu geben, ist vielleicht der wichtigste Teil des Mentorings. Schau dir die Leute um dich herum an, das ist mein wichtigster Ratschlag, wenn man im Unternehmen voran kommen will. Ich bin ein großer Fan des "Lean In *" -Programms und empfehle den Leuten, daraus zu lernen. Du hilfst jemandem - sie helfen dir.

Wünscht sich die IAWA mehr europäische Beteiligung? Wie können sich bestehende Netzwerke wie die Hamburg Aviation WoMen engagieren?

Noch ist die IAWA eine sehr amerikanische Organisation mit 60% aus den USA. Mein Ehrgeiz und meine Rolle im Vorstand ist die Förderung der europäischen Mitgliedschaft. Und ich sagte zu allen Europäern, die hier sind, bitte, kommen Sie und schließen Sie sich an. Ich bin sehr interessiert an den bestehenden Frauennetzwerken und lade sie gleichzeitig ein, sich uns anzuschließen, damit wir statt mehrerer kleiner Gruppen ein starkes Netzwerk bilden können. Ich würde gerne mehr deutsche Mitglieder sehen und deshalb müssen wir ihnen klar machen, welcher Mehrwert hinter der IAWA steckt. Wir haben 107 eurpäische Teilnehmerinnen hier in Berlin. Lasst uns darauf aufbauen!

Weitere Infos zur IAWA: https://iawa.org/

* Lean In Community: Basierend auf dem Bestseller "Lean In: Frauen, Arbeit und der Wille zur Führung" von Facebook COO Sheryl Sandberg treffen sich kleine Gruppen namens "Lean In Circles" etwa einmal im Monat, um sich gegenseitig zu unterstützen und neue Fähigkeiten zu erlernen. Die Mitglieder sprechen offen über ihre Ambitionen und ermutigen sich gegenseitig, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

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