Metropolregion Hamburg

Nadine Sablotny: Vermittlerin zwischen den Welten

Nadine Sablotny, Geschäftsführerin des HCAT+ Vereins

Nadine Sablotny im HCAT-Gebäude in Borgfelde

Berufsorientierungsprogramm für Schüler (J. Brandes)

Die Teilnehmer der HCAT-Projekte lernen Flugzeuge praxisnah kennen.

Blick in die HCAT-Ausbildungswerkstatt

Blick in die HCAT-Trainingsinfrastruktur

Nadine Sablotny leitet das Büro des HCAT+ Vereins

Blick ins HCAT-Gebäude

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14.10.2015Standortpiloten

Hamburg Aviation Serie "Standortpiloten" - Folge 5: Nadine Sablotny, Geschäftsführerin HCAT+ e.V., Hamburg Centre of Aviation Training

Wenn Nadine Sablotny morgens an ihrer neuen Arbeitsstätte ankommt, kommen mit ihr durch die Tür: eine Gruppe handy-affiner Berufsschüler, ein Hochschulprofessor der HAW Hamburg, ein Ausbilder von Airbus, zwei junge Doktoranden mit fünf Flugzeugbau-Studenten, dann ein Lehrer der G15, eine zielstrebige Werkstudentin von Lufthansa Technik, ein eilender Haustechniker und schließlich eine Horde lärmender Achtklässler aus der Stadtteilschule Wandsbek.

 "Ja, tatsächlich fühlt es sich manchmal in meinem Job so an, als würden alle mit mir durch die Tür laufen, aber schließlich geht es darum so viele Beteiligte wie möglich an einen Tisch zu holen" erklärt die junge Geschäftsführerin des HCAT+ e.V. Bei ihr laufen alle Themen und Projekte rund um das Thema Bildung und Personalentwicklung am Luftfahrtstandort Hamburg zusammen. "Letztlich hat die gesamte Luftfahrtbranche in und um Hamburg ein Ziel: die besten Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, um auch in Zukunft spitze zu bleiben".

HCAT-Gebäude in Borgfelde: Weltweit einmalig

Seit 2011 haben diese Themen bereits räumlich eine gemeinsame Plattform, im HCAT-Gebäude in Borgfelde. Der an das G15-Berufsschulzentrum angedockte Betonbau mit gelben Fenstern wirkt von außen unscheinbar. Innen findet sich jedoch eine der modernsten Bildungsstätten der internationalen Luftfahrt, ausgestattet mit einem Original-Flugzeugrumpf, Flugzeugkabinen, Werkstätten und Seminarsälen. Hamburgs Schulen, Ausbildungsunternehmen und Hochschulen nutzen die Infrastruktur gemeinsam für ihren Praxisunterricht. Das ist weltweit einmalig.

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Neu ist der Ende 2014 gegründete Verein HCAT+, dessen Geschäftsstelle ebenfalls im Gebäude angesiedelt ist. Er betreut nicht nur die laufenden Projekte innerhalb der Mauern, sondern auch alle weiteren Bildungsprojekte in der Region. Am Tisch von HCAT+: Zehn Gesellschafter, die die Hamburger Bildungslandschaft aus Politik, Hochschulen und Industrien vollständig abbilden. Große wie Airbus, Kleine wie der Verband HECAS, Institutionen wie die Wirtschaftsbehörde, Hochschulen wie die nur einen Steinwurf entfernte HAW oder die auf der anderen Elbseite residierende TUHH.

"Wir diskutieren alle am gemeinsamen Tisch"

Am gemeinsamen Tisch gibt es stets einiges zu besprechen: "Wir diskutieren über neue Bedarfe im Bildungsbereich oder darüber, wie sich das Bildungssystem durch neue Entwicklungen verändern muss. Ich halte den Handlungsbedarf fest, schaue, ob es auf dem Markt vielleicht schon existierende Angebote gibt und stelle neue Kontakte her" erklärt Sablotny und ergänzt: "Je besser wir uns alle gegenseitig kennen, umso nützlicher können wir füreinander sein." Der Vereins-Slogan "Bildung. Wirtschaft. Innovation" - für die Geschäftsführerin  auch im Alltag untrennbar miteinander verbunden.

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit in der Praxis ist das Programm: 'Berufsorientierung - Wege in die Luftfahrt', in dem Schüler bereits ab der 8. Klasse Praxiserfahrungen in luftfahrttechnischen Berufen sammeln. Auszubildende von Airbus und Lufthansa Technik von ihrem Beruf und ihren Aufgaben. Anschließend können sich die Schülerinnen und Schüler an Praxistagen im HCAT-Gebäude  selbst ausprobieren und schließlich in vertiefenden Betriebspraktika bei Airbus und Lufthansa Technik Produktionsabläufe kennenlernen. Am Ende steht ein Ausbildungsvertrag in Aussicht. "Nach jeder Veranstaltung können die Schüler und Schülerinnen frei entscheiden, ob die Luftfahrt weiterhin für sie oder ihn beruflich interessant ist. Dank der Zusammenarbeit aller Beteiligten kann diese Entscheidung dann aber bereits auf Basis einer guten Entscheidungsgrundlage in der 9. Klasse getroffen werden", erklärt Sablotny.

"Visionen sind wichtig - aber vorangehen können wir nur in kleinen Schritten"

Mindestens seit dieser Zeit interessiert auch sie sich für die Fliegerei. Dem Luftfahrtstandort Hamburg verbunden ist die 30-jährige bereits seit sieben Jahren. Als Projektassistentin beim Crystal Cabin Award wurde sie Teil des Luftfahrtclusters. Nach einer Station im Marketing bei einem Luftfahrtzulieferer kam Sablotny 2011 zu Hamburg Aviation zurück und betreute als Managerin International Affairs das europäische Netzwerk der Luftfahrtstandorte, die European Aerospace Cluster Partnership (EACP) mit über 30 Mitgliedern in 14 Ländern.  "Die EACP hat mich Flexibilität und Konsequenz gelehrt. Visionen sind wichtig, aber in heterogenen Netzwerken können wir nur in kleinen, konkreten Schritten vorangehen" sagt sie. "Der Bildungsbereich hat seine ganz eigenen Herausforderungen, Regeln und Bedingungen. Diese lerne ich gerade zu verstehen. Es hat seinen Grund, warum man von der "World of Education" und der "World of Industry" spricht. Die Verknüpfung dieser beiden Welten ist keine einfache Aufgabe." Sablotny hält kurz inne "aber einfach wäre langweilig, oder?", und lacht.

Eine Frau Anfang 30 in einer Geschäftsführerposition - das ist sowohl in der "World of Education" als auch in der "World of Industry" ungewöhnlich, und erst recht in der männerdominierten Luftfahrt. Doch vielen Kontakten aus der Branche ist Sablotny aus früheren Projekten längst vertraut und der Community als offene Netzwerkerin bekannt. Keine schlechte Voraussetzung in einem Job mit so vielen unterschiedlichen Positionen an einem Tisch. Zumal Sablotny bereits über die Grenzen der Luftfahrt hinausdenkt: "Ich möchte langfristig auch weitere Branchen in unsere Projekte mit einbeziehen, die noch nicht im Netzwerk sind, aber ähnliche Themen bespielen: Energie, Logistik, Automobilbau, aber auch nicht-offensichtliche Branchen wie Medien oder Kunst. Über die bestmögliche Wertschätzung und Entwicklung von Mitarbeitern und über lebenslanges Lernen machen sich schließlich alle Gedanken. Das bedeutet für mich das 'Plus' in unserem Vereinsnamen."

"Cooperative Natives" sind die nächsten "Digital Natives"

Die räumliche Nähe unterschiedlicher Gruppen, die das HCAT-Gebäude derzeit noch besonders macht, soll sich langfristig in allen Aktivitäten im Bildungsbereich widerspiegeln: "Wir haben die Chance, in Hamburg eine komplett neue Generation zu formen, in der Auszubildende und Studierende schon so früh disziplinübergreifend miteinander kooperieren, dass das vernetze Denken für sie später eine Selbstverständlichkeit ist! Wir brauchen nicht nur Digital Natives, sondern auch "cooperative natives"."

Während sich internationale Delegationen im HCAT seit langem fast die Klinke in die Hand geben, sei vielen regionalen Akteuren noch immer nicht bewusst, welches Bildungs-Kleinod man am Standort habe. "Deutschland steht international durch das duale System schon gut dar und im Bildungsbereich ist das HCAT schon sehr weit gekommen", meint Sablotny. "Trotzdem trennt man noch zwischen der "World of Education" und der "World of Industry". Wir zeigen in Borgfelde doch schon lange, wie es zusammengehört."

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